Jeder von uns war schon mal in einer Situation, wo es besser gewesen wäre, gelassen zu reagieren. Dennoch haben wir aber uns provozieren lassen und vorschnell etwas gesagt oder getan, was jetzt nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Gelassenheit ist eine Tugend und kaum einer besitzt sie. Wie können Sie gelassener werden, ohne zurückstecken zu müssen?
Um gelassen an Situationen rantreten zu können, bedarf es nur weniger Vorschritte, die sich mit etwas Übung im Gehirn festsetzten und wie ein umgeschriebenes Programm im richtigen Moment greifen. Aber dazu später mehr.
Zuerst sollte man das Wort “Gelassenheit” genauer unter die Lupe nehmen. Eine einheitliche Definition gibt es nicht wirklich. Allgemein kann man sagen, das Gelassenheit eine Fähigkeit ist, selbst in stressigen Situationen eine kühlen Kopf zu bewahren: eine innere Ruhe, die nach außen gefestigt und überlegen wirkt. Solche Menschen lassen Ihre Emotionen nicht einfach freien Lauf, Sie lassen los.
Da wir ständig mit anderen Menschen zu tun haben, die eigene Vorstellungen, Wünsche und Ziele vertreten (die nicht immer mit unseren eigenen übereinstimmen), treten Situationen auf, die zu Konflikten führen können. Vor allem, wenn einer der Beteiligten nicht gelassen reagiert und voreilig “rausplautzt”, was gerade so durch den Kopf geht.
Ein Besuch im Restaurant kann schneller zu Ende gehen als gewünscht, wenn der Kellner statt höflich und gastfreundlich Alternativen zu finden, den Wunsch des Gastes abschlägt. Mit einem kurzen: “Einen Moment bitte, ich frage nach” hätte dieser eine bessere Antwort finden können, statt: “Nein, können wir nicht machen, haben wir nicht”. Und wie reagieren Sie darauf? Wettern Sie lautstark über diese unfreundliche Art und Weise und verlangen den Geschäftsführer, oder geben Sie klein bei und nehmen etwas, was Sie doch nicht wollten? Oder bleiben Sie ruhig, ziehen sich langsam an und verlassen das Restaurant mit den freundlichen Worten zum Kellner: “Dann muss ich wohl woanders Essen gehen”.
Das war nur ein kleines Beispiel, in der Arbeitswelt zwischen Chef und Mitarbeiter oder Kollege und Kollege können noch kravierendere Auseinandersetzungen geschehen, die mehr kosten als nur ein schönes Abendessen im Restaurant.
Schritt 1: Durchatmen
Bevor Sie antworten oder handeln, halten Sie inne. Immer, egal wann: wenn jemand eine Antwort erwartet, dann antworten Sie nicht gleich. Notfalls sagen Sie: “Ich bitte um Bedenkzeit”, oder unförmlicher: “Kann ich später darauf zurückkommen”. Nutzen Sie die Pause um Emotionen zu bremsen und neutral an die Sache ranzugehen. Wenn die Emotionen überkochen sollten, dann nehmen Sie die Zeit, die Sie brauchen, um sich zu beruhigen. Eine Entscheidung wurde über Nacht oft schon revidiert.
Schritt 2: Positionswechsel
Schwierige Fragen sollten von mehreren Seiten beleuchtet werden. Dabei lohnt es sich, die Seiten zu wechseln und die Antwort aus unterschiedlichen Perspektiven heraus zu suchen. Einen guten Artikel über diese Technik gibt es hier:
Schritt 3: Prioritäten setzen
Haben Sie sich schon mal dabei erwischt, wie Sie etwas getan haben und sich dabei fragten: “Was mache ich eigentlich hier?”. Es ist wichtig sich bewußt zu entscheiden, etwas zu tun und wenn man es tut, dann sollte man dahinter stehen und Freude daran haben. Alles Andere ist unsinnig und führt überhaupt nicht zu Gelassenheit, es stresst nur und macht nervös. Nicht jede Frage die gestellt wird, muss beantwortet werden und nicht jede Aufgabe muss von Ihnen erledigt werden. Pflichtbewußtsein ist großartig, aber nicht wenn es auf Kosten der eigenen Psyche oder die des Anderen geht. Begründen Sie doch die “Verweigerung” mit: “Heute bin ich absolut nicht in der Lage dazu. Morgen sieht es anders aus!”
Schritt 4: Work-Life-Balance
Dazu habe ich schon einen Eintrag geschrieben: Work-Life-Balance
Gelassenheit hat auch viel damit zu tun, wie man mit sich zufrieden ist und was man für den eigenen Ausgleich macht. Ein gesunder Egoismus (alles, was Andere nicht beeinträchtigt) ist der Schlüssel zu mehr Zufriedenheit und somit auch zu natürlicher Gelassenheit.
Schritt 5: Rückblick
Wenn dann doch mal die Gelassenheit “flöten gegangen” ist, dann sollte man sich danach immer mit der Situation auseinandersetzen.
Was war der Auslöser?
Wie haben Sie reagiert?
Wie hätten Sie lieber reagiert?
Was können Sie beim nächsten Mal anders machen?
Es ist hilfreich, um die festgefahrenen Denkmechanismen zu erkennen und später sogar zu durchbrechen. Erst das Bewußtsein über diese leider menschlichen eingebrannten Muster lässt Veränderungen zu. Das kann länger dauern und zeigt nur, wie wichtig es ist, sich immer wieder mit unzufriedenen und eingefahrenen Situationen zu befassen.
Gelassenheit darf nicht mit einem willenlosen und emotionslosen Ich-Nehme-Alles-Hin-Typ verwechselt werden. Natürlich dürfen Sie auch mal aus der Haut fahren und Ihre Gelassenheit “verlieren”. Bemühen Sie sich aber stets um eine korrekte, nicht verletzende Verhaltensweise, die impulsiv aber sachlich ist. In den meisten Situationen kann man aber davon ausgehen, das Nichts-Sagen oder Nichts-Tun mehr bewirkt, als ein lautstarkes Wort.
Übrigens: Lachen Sie mehr, das schüttet ne Menge Glückshormone aus und macht gelassener. Und wenn es Nichts zu lachen gibt, dann lachen Sie darüber. Wir sind schon seltsam, wir Menschen.
Ich Denke, also bin ich! Mir geht viel im Kopf herum und, typisch Frau, fange ich an zu analysieren. Dabei entstehen ganz eigene Gedankengänge, meist sarkastisch angehaucht und mit etwas Ironie vervollständigt. Meine Welt ist anders als Deine, aber ab und zu trifft man sich auf einer Ebene und hier beginnt unsere Reise in "susannalyse" - vom Sinn und Unsinn im Leben.
Susann Nicklaus
susann.nicklaus(at)ymail.com