Es gibt eine Eigenart von uns Deutschen, die so selbstverständlich normal erscheint, das wir nicht mitbekommen, dass das in anderen Ländern schon an Schulen in Sozialen Fächern als Eingriff in die Intimsphäre bezeichnet und gelehrt wird: das länger Anschauen eines fremden Menschen.
Es gehört zur guten "Sitte", einen nicht bekannten Menschen nicht länger als 1 bis 2 Sekunden anzuschauen, und schon gar nicht anzustarren. Dieser Eingriff in die Intimsphäre wird als Bedrohung gesehen: denn es gibt nur zwei Möglichkeiten, warum Der gegenüber einen so anstarrt: entweder erkennt er mich und ich bin ihm bekannt, oder er ist mein Feind und will mich angreifen. In der Tierwelt wird langes Anschauen, vor allem in die Augen, immer als Angriff gesehen.
Aber was ist die Realität? Meine Fahrt nach Köln (Bericht und Bilder darüber kommen noch) wurde beeinflusst, als ein älteres Ehepaar im Zug im gleichen Abteil uns gegenüber saß und die Dame immer wieder mein Kind anstarrte und lächelte. Das war bestimmt gut gemeint und ihr Bewusstsein hat sich nichts Böses dabei gedacht, aber mein Kind fühlte sich nach einer Weile unwohl und beobachtet. Immer wieder musste es zu der alten Dame hinschauen und lächelte verlegen und unsicher zurück. Was wohl in dem kindlichen Kopf vorging: Warum schaut und lächelt diese alte Frau immer zu mir hinüber? Was will sie? Was soll ich machen? Ich lächle mal vorsichtshalber zurück. Das macht man doch so, oder?
Dabei ist es evolutionär klar, das man nur zurücklächelt, um zu zeigen: ich bin auch nicht dein Feind. Gewöhnlicherweise erfolgt dieser "Friedensaustausch" in wenigen Sekunden, dann ist aber auch gut und man trottet wieder seines Weges.
Dieses längere Anschauen hat so Manchen in eine Situation gebracht, die als Parodie öfters zitiert wurde: Eine Gruppe deutsche Jugendliche und eine Gruppe türkische Jugendliche in der Bahn. Ein deutscher Junge schaut zur anderen Gruppe und schaut ein wenig zu lang. Darauf ein türkischer Junge: "Ey Alter, was guckst du?"
Dabei hat hier nur eine Mentalität die andere getroffen und es wird klar, wer hier eigentlich eher im Recht war. Ich wiederhole: viele Länder lehren in der Schule eine grundlegende Verhaltensart, die hier in Deutschland nie ein Thema bei der Erziehung ist, oder wessen Eltern haben eindringlich darauf hingewiesen: Kind, schau nicht so lange die Frau an, sie könnte sich angestarrt und unwohl fühlen. Du magst es doch auch nicht, wenn man dich ständig beobachtet.
Und wenn wir schon bei den "Unarten" von uns Deutschen sind: Petzen! Ja, das können wir gut. Es gibt wohl nichts "Ungesellschaftlicheres", als jemanden zu verraten. Das tun natürlich auch Menschen anderer Länder, aber wir sind beim Petzen sogar so beschränkt, das wir es noch nicht mal als Falsch empfinden. "Wer war das?", fragt die Mutter ihre beiden Söhne - Der deutsche Bruder würde sagen, der andere war es. Der nicht-deutsche Bruder würde schweigen und sogar die gemeinsame Strafe in Kauf nehmen (später natürlich den Verursacher aufziehen und eine Entschädigung verlangen).
Nicht umsonst werden wir Deutschen in anderen Ländern als grob und kalt bezeichnet, plump, zu ernst, zu unfreundlich, zu spießig. Ich selbst sehe mich zwar nicht so, aber ich weiß, was sie meinen und sehe im Alltag überall diese typisch deutsche Art und Weise. Und wisst ihr was, es macht mich krank und ich wünschte mir, das wir Deutschen mal ein wenig interessanter werden und mit positiven Eigenschaften uns hervorheben.
Nun gut, bevor wir alle dahinter gekommen sind, was eigentlich gut ist und was nicht, wird wohl noch viel Zeit vergehen. Um besser zu werden müssen wir aber lernen "über den Tellerrand zu schauen", andere Länder und andere Mentalitäten genauer zu betrachten, sie verstehen und uns das Beste daraus mitnehmen, um sich weiter zu entwickeln und letztendlich Menschen zu werden, die stolz sind, eine vorzeigbare Gesellschaft zu sein. Perfekt werden wir nie, wer ist das schon, aber besser werden können wir allemal.
Ich Denke, also bin ich! Mir geht viel im Kopf herum und, typisch Frau, fange ich an zu analysieren. Dabei entstehen ganz eigene Gedankengänge, meist sarkastisch angehaucht und mit etwas Ironie vervollständigt. Meine Welt ist anders als Deine, aber ab und zu trifft man sich auf einer Ebene und hier beginnt unsere Reise in "susannalyse" - vom Sinn und Unsinn im Leben.
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