Lieber Vertragspartner BVG, (Update)

Freitag, 8. Januar 2010

ich weiß ja, daß du dir ganz viel Mühe gibst und mich jeden Tag an meinen gewünschten Zielort transportierst, aber in letzter Zeit scheint deine Motivation gesunken zu sein.

Nicht nur, daß in Zeiten des Winters und der Kälte die Wartezeiten unerträglich werden, nun hast du auch noch weniger Züge zur Verfügung und verlängerst einfach die Zeitabstände zur nachfolgenden Bahn. Jedesmal rennt man schon früher frustiert zum Bahnsteig, nur um festzustellen, daß "Ringbahn 42 sich um wenige Minuten verspätet".

Diese permanenten Einschränkungen werden noch unmenschlicher, wenn dann, auf Grund der weniger fahrenden Züge, jede Bahn bis zum Zusammenbruch mit Menschen gefüllt ist und japan-ähnliche Zustände herrschen. Mehr menschlicher Kontakt in einer Großstadt mag vielleicht fördernd sein, aber auf so engem Raum in einer Bahn - die Fensterscheibe im Gesicht, den Ellenbogen des Nebenstehenden im Rücken - das macht keinen Spass mehr.

Letzten Sommer ergab eine Inspektion sehr viele Mängel an deinen Zügen, was dazu führte, daß über mehrere Wochen Bahnen ausfielen, zu spät kamen und überfüllt waren. Damals hatten wir schon alle eine wahnsinnige Wut auf dich. Dein jetziges Verhalten reißt alte Wunden auf.

Kommen wir zum ärgerlichsten Teil der Geschichte. Monatlich lege ich (und alle anderen Fahrgäste auch) ne Menge Geld auf den Tisch, um das Recht einer Beförderung zu erkaufen. Um pünktlich von A nach B zu kommen bist du, als mein Vertragspartner, dazu verpflichtet, dem ordnungsgemäß nachzukommen. Wenn MAL etwas nicht ganz so rund läuft, ok, aber nicht dauerhaft, so wie es die letzten Wochen (und Monaten) vorkommt. Wir Fahrgäste haben ja schon die Erhöhungen der Fahrpreise ertragen und folgsam bezahlt, was du verlangt hast.

Das wir auf dich angewiesen sind, weißt du und das nutzt du ganz schön aus. Freunde werden wir deswegen nie. Aber was kannst du tun, damit nicht noch mehr BVG-Kollegen in Bus und Bahn angegriffen, Fahrzeuge beschädigt oder Pöbeleien zustande kommen und die Menschen dich wieder als das sehen, was du eigentlich bist: ein wertvoller Teil der Infrastruktur einer Großstadt. Wie kommst du uns entgegen, uns, die die Gehälter deiner Angestellten zahlen? Was ist aus der Servicementalität geworden, wo man sich durch eine Entschädigung dafür entschuldigt hat, wenn es mit dem Service nicht so gut geklappt hat?

Der Winter schränkt vielleicht Vieles ein, aber er sollte niemals ein Grund dafür sein, warum du deinen Teil des Vertrages nicht erfüllen kannst. Es gilt keine Entschuldigung, die nur darauf hinauszielt, uns immer weiter hinzuhalten und dann doch nichts zu ändern.

Mach was, liebe BVG. Der Winter hat gerade erst angefangen. Wenn sich nichts ändert, dann kann ich mir vorstellen, daß noch andere Menschen sich wehren werden - dann aber auf finanzielle Kosten, denn unzumutbare Zustände sind ein Grund vom Vertrag zurück zu treten und Schadensersatz einzufordern. Das macht bei der Anzahl der Fahrgäste in Berlin einen Betrag, den du bestimmt nicht gern zahlst.

Ich hoffe wirklich für dich, daß du das alles schnell in den Griff bekommst und wir wieder anständige Vertragspartner werden. Und für die Unannehmlichkeiten solltest du dir auch etwas einfallen lassen, sonst wird bei der nächsten Preiserhöhung sturr NEIN gesagt. Wollen wir doch mal sehen, wie weit du unsere Geduld ausreizen kannst.

(Update) Für alle Schlaumeier: ja, die S-Bahn gehört nicht zur BVG, sondern zur Deutschen Bahn, aber das spielt hier absolut keine Rolle (da sich beide nicht viel in Ihrem Servicedesaster nehmen). Fakt ist: ich gehe zu einem BVG-Schalter und da sitzt ein BVG-Mitarbeiter und verkauft mir ein BVG-Ticket. Damit darf ich den Bus nutzen, die Tram, die U-Bahn und eben auch die S-Bahn. Die BVG sollte erwachsen und professionell genug sein so mit der S-Bahn zusammenarbeiten zu können, daß der Fahrgast nix von alldem mitbekommt.

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Kommentare

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Anonym am 07.01.2010 14:17 (Antwort)

Ich bin auch sehr enttäuscht und sauer. Hatte letztes Jahr ein Abo, dieses Jahr habe ich dankend verzichtet. Ich sehe es nicht mehr ein, für solch einen schlechten Service auch nur einen Cent zu zahlen. Die BVG ist ein Armutszeugnis für Berlin. Ich lebe seit knapp 3 Jahren hier und die meiste Zeit gab es Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Für eine Hauptstadt mit mehr als 3 Millionen Einwohnern wirklich peinlich.

1.1

Susann Nicklaus am 07.01.2010 14:39 (Antwort)

"Für eine Hauptstadt mit mehr als 3 Millionen Einwohnern wirklich peinlich." Du sagst es: wir leben in einer Stadt und in einem Land, wo man mehr erwartet, als Verkehrszustände wie in minderentwickelten Ländern.


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Über Susannalyse

Ich Denke, also bin ich! Mir geht viel im Kopf herum und, typisch Frau, fange ich an zu analysieren. Dabei entstehen ganz eigene Gedankengänge, meist sarkastisch angehaucht und mit etwas Ironie vervollständigt. Meine Welt ist anders als Deine, aber ab und zu trifft man sich auf einer Ebene und hier beginnt unsere Reise in "susannalyse" - vom Sinn und Unsinn im Leben.

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