Gehirn und Geist (Uptdate)

Sonntag, 28. Februar 2010

Der Kampf des neuronalen Materialismus und des nichtmaterialistischen, menschlichen Bewusstsein ist ein ewiger Kampf zwischen Naturwissenschaftlern und Geisteswissenschaftlern: Biologie vs. Philosophie.

Auf www.zeit.de habe ich in der "Wissensabteilung" einen interessanten Artikel gelesen - ein Interview mit dem Philosophen und Geisteswissenschaftler Manfred Frank: "Der Mensch bleibt sich ein Rätsel" Etwas komplex geschrieben, aber durchaus verständlich, wenn man sich schon länger mit der Materie befasst. (Achtung: Nimm dir ein bisschen Zeit zum lesen, das Interview ist etwas länger und geistig "gehaltvoller")

Für mich ist vor allem noch deutlicher geworden, dass das, was uns in der Schule und auch danach beigebracht wird nur ein Teil der Wahrheit ist und wir nach der Schule durch Jobsuche, Ausbildung oder Studium (wenn es nicht gerade geisteswissenschaftliche Fächer sind), Ängste, Krisen, negative weltliches Geschehnisse und so weiter, den anderen Teil der Wahrheit, oberflächlich und von außen geleitet, "unterdrücken" und übersehen. Wir blenden es aus!

Die Mehrheit von uns glaubt doch tatsächlich in ihrem Körper, mit all den Genen und elektrischen Impulsen zwischen den einzelnen Nervenzellen, Hormonen und biochemischen Prozessen, gefangen zu sein. Als ob wir von der Natur gesteuerte Wesen sind, die gar nicht anders können als sich dem allem hinzugeben. In dem Interview erklärt Manfred Frank das an dem Beispiel eines Schmerzempfindens, selbst wenn wir keinen äußeren Einfluss dabei hatten: die reine Vorstellung also, das wir zum Beispiel den Schmerz des Anderen nachfühlen können, wenn der sich gerade hart an einem Gegenstand stößt:

"... nicht aber (zum Beispiel) zwischen einer C-Faser-Reizung im Hirn einerseits und meinem Schmerz andererseits. Ich kann mir widerspruchsfrei vorstellen, Schmerz zu empfinden, ohne dass meine C-Faser gereizt ist – selbst wenn sie wirklich gereizt ist. Und schon diese Möglichkeit des Zweifels ruiniert die Eleganz des Vergleichs zwischen Identitäten in der Welt und Leib-Seele-Identitäten. Worauf es mir ankommt: Ich spüre meinen Schmerz nur »von innen«, die C-Faser-Reizung aber wird gegenständlich »von außen« festgestellt."

So lange ich gewissen Geschehnisse und Vorgänge im menschlichen Verhalten nicht mit einfacher Biologie, Physik oder Chemie erklären kann, so lange ist der geisteswissenschaftliche Aspekt immer ein größerer Teil meiner Weltanschauung. Und ich bin dankbar für die vielen schlauen und teilweise mutigen Köpfe, die sich für uns die Zeit nehmen, nach all dem Unbekannten zu forschen.

(Update):

Nachdem ich meinen Beitrag bei facebook gepostet hatte - für einige dort, die gern meinen Blog lesen und nur über diese Seite informiert werden, wann ich mal wieder etwas von mir gebe - hat sich gleich ein sehr guter Freund von mir darüber geäußert. Ich hätte zwar solche Konversationen lieber hier im Blog, aber über Umwege kommt man auch irgendwie ans Ziel. Deswegen darf ich (mit seiner Erlaubnis natürlich) unsere Unterhaltung hier niederschreiben und freue mich, dass ich mit ihm solch einen Gedankenaustausch hatte. Wer mit einsteigen will, nur zu! Es wird mir eine Freude sein.

R.: Du meinst wohl eher Psychologie! (Biologie vs. .... )

Ich: nee, das ist schon so gemeint, wie es da steht. Psychologie wird oft materieller (neurologisch) dargestellt, während Philosophie über diese Ebene hinausgeht. Geisteswissenschaft ne Stufe höher halt ;-)

R.: Naja ich sehe das etwas anders!

Ich: Zum Glück denken wir alle anders, sonst hätten wir keine Konversation mehr ;-) Wie siehst du es denn?

R.: Ich finde wenn es sich schon...Wissenschaft nennt muss es wie in jeder Wissenschaft Belege und Beweise erbringen die es für jeden Menschen nachvollziehbar machen! Da aber Gedanken und Gefühle nicht beweisbar sind kann ich es aus meiner Perspektive nicht als Wissenschaft anerkennen sondern eher als ein Weg noch nicht erklärbares zu Begründen.

Ich: Wenn du den Artikel (Link) gelesen hast, dann hast du sicherlich festgestellt, dass Die Philosophen Fragen stellen, die die Naturwissenschaftler noch nicht materiell beweisen konnten. Und da die Naturwissenschaftler auf diese offenen Fragen keine für den Menschen nachvollziehbare "Gegen"-Beweise oder Belege hat, bleibt die Geisteswissenschaft dennoch eine Wissenschaft, die die Berechtigung hat neben der Naturwissenschaft weiterzuforschen. Wie gesagt, es ist ein ewiger Kampf und während die Naturwissenschaftler die Geistenwissenschafter "verhöhnen" beziehen die Geisteswissenschaftler durchaus die Beweise der Anderen mit ein, weil sie wissen, das es beides gibt.

R.: Deswegen stellt sich mir ja die Frage: Funktionieren Geisteswissenschaften und sind sie wirklich zu 100% vertretbar? Diese Frage aber kann man nicht erklären oder noch nicht beantworten!

Ich: zu 100% sind sie sicherlich nicht vertretbar, sind Naturwissenschaften aber, so lange sie nicht alles beantworten und beweisen konnten, auch nicht...erkennbar an unserer menschlichen Geschichte, wo eine These aufgestellt wurde; die Menschen auch daran glaubten; bis ein Anderer kam und diese These zweifelslos widerlegen konnte. So 100%ig läuft nämlich keine Wissenschaft ab, wir Menschen sind nur zu arrogant zu glauben, wir hätten schon verdammt viel Wissen über Alles - wir wissen aber nur einen winzigen Prozentteil. Alles was wir nicht wissen, werden andere Köpfe für uns herausfinden und niemand kann sagen, was die wirkliche, wahrhaftige, einzigartige Wahrheit (Beweis) ist.

R.: Das einzige was ein wahrer Beweis wäre ist: Alles ist vergänglich sowie ersetzbar!

Ich: Da hast du Recht und damit schließen wir diese wirklich gute Konversation. Hat mir echt Spass gemacht, aber ich habe mich schon gern mit dir über diese Themen unterhalten ;-) Sollten wir mal wieder auf realen Wege (also nicht virtuell) wiederholen.

R.: Auf jeden Fall! :-)

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Über Susannalyse

Ich Denke, also bin ich! Mir geht viel im Kopf herum und, typisch Frau, fange ich an zu analysieren. Dabei entstehen ganz eigene Gedankengänge, meist sarkastisch angehaucht und mit etwas Ironie vervollständigt. Meine Welt ist anders als Deine, aber ab und zu trifft man sich auf einer Ebene und hier beginnt unsere Reise in "susannalyse" - vom Sinn und Unsinn im Leben.

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Susann Nicklaus

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