Die Presse und das Wort

Montag, 17. Mai 2010

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Man stelle sich folgende Situation vor:

Ein tolles Restaurant in der Türkei, eine Gruppe verbringt dort einen schönen Abend mit gutem Essen und reichlich Getränken. Die Zeit des Abschiedes kommt und der Kellner wird zum Zahlen an den Tisch gerufen. Dieser kommt auch promt und fragt: "Wie möchten Sie zahlen: normal oder auf die deutsche Art?"

Häh? Was heißt denn "auf die deutsche Art zahlen"? - Ganz einfach: alle einzeln.

Ja, wir Deutschen sind bekannt dafür, immer getrennt zu zahlen, so dass es eine Ewigkeit dauert, bis der Kellner wieder frei für seine anderen Gäste ist. Und als ob das nicht genug ist, der Geiz hält mittlerweile Einzug und Trinkgelder werden eher dürftig gezahlt (obwohl der Service in der Türkei um ein Vielfaches besser ist, als in Deutschland).

Nun gut, jetzt könnte sich der Eine oder Andere auf den Schlips getreten fühlen und murren: Aber so sind wir doch gar nicht?

Egal, Pauschalisierungen sind doch Gang und Gäbe. Zu finden übrigens ganz aktuell in einem heise.online-Artikel: "Getürkte" Trauung auf Japanisch. Was heise.online nicht erwartet hat, das sich einige Kommentatoren nicht gerade mit dem Wort "getürkt" anfreunden konnten.

Beispiel:

"Rassistischer Titel, bravo heise, nix dazu gelernt

LeJoker

Der Begriff kommt mir doch sehr spanisch vor. Wieso muß man in der heutigen Zeit solche alten Ressentiments hervorholen? Abgesehen davon war der Schachtürke die Erfindung eines Österreichers. Es müßte also heißen "geösterreichte" Trauung auf Japanisch."

(heise.online hat den Tread verschoben, also ganz zum Schluss und extra zu finden)

Zurecht hat sich da jemand beschwert und auch nachfolgende Beiträge beziehen sich (eher lustig aufgezogen) auf den etwas verfehlten Begriff, denn eins ist laut der wikipedia-Erläuterung klar: das Wort "türken" ist diskrimminierend (steht unten bei Kategorien: Diskrimminierung, Fälschung). Die Beschreibung des "Schachtürken" besagt auch deutlich, das nicht ein Türke dahinter steckt, sondern ein Österreicher - aber das nur am Rande.

Worauf ich hinaus will: sollte gerade die Presse nicht ein wenig auf ihre Wortwahl achten und mehr Feingefühl zeigen? Pauschalisierte Wort-Assoziationen die, bezogen auf die Nationalität, eventuell etwas Negatives ausdrücken, sind für den Ein oder Anderen dieser Nation eine Beleidigung und haben in der Presse wenig zu suchen. Warum wird nicht das einfache Wort "gefälscht" genommen, was ist daran so schlecht? Verstehen kann es jeder und wehtun wird es auch keinem. Dadurch kann man Stress vermeiden und vor allem den Anschein einer Diskrimminierung verhindern.

Weitere diskrimminierende merkwürdige Wort-Assoziationen:

- das kommt mir spanisch vor (warum "spanisch", was haben die Spanier mit "merkwürdig, seltsam oder komisch" zu tun)

- hinter schwedischen Gardinen (Gefängnisse gibt es überall, oder hat Schweden besondere Gefängnisse?)

- sich auf französisch verabschieden (heißt so viel wie: sich davonschleichen...ist mir bei den Franzosen noch nicht so aufgefallen)

Na gut, ich will mal nicht typisch deutsch "kleinkrämerisch" sein und hoffe, dass bei den deutschen negativen Wort-Assoziationen (fragt mal die Außenwelt, was da so über uns gesagt wird ;-) ) der Deutsche endlich mal anfängt über sich selbst zu lachen, dann ist es auch weniger dramatisch, wenn sich das ein oder andere verfehlte Wort durch die Presse verirrt. Bis dahin liebe Presse und vor allem heise.online: Pressefreiheit hin oder her, Beleidigungen können ganz schnell nach hinten losgehen und unprofessionell ist das auch noch.

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Aufgenommen: Mai 19, 10:27

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