Die Waage ist ein Symbol von Balance und Ausgleich. Sie bietet im idealen Fall die Stabilität des Ganzen.
Was hat die Waage mit der Politik und dem dahinter stehendem Staat zu tun?
Nun, in einem Staat muss genauso für eine gewisse Stabilität gesorgt werden, was dann auch bedeutet, dass stets ein Ausgleich zwischen 2 (oder mehreren) Dingen stattfinden muss, damit die eine Seite nicht ganz oben und die andere Seite ganz unten hängt.
Dass das momentan sehr ungleich ist (und das nicht nur in Deutschland) macht uns allen Sorgen. Jedenfalls sehen sehr Viele schon das "Kippen" des Systems - es ist nur eine Frage der Zeit.
Sehen wir uns die Problematik am Beispiel der Bildung mal genauer an:
Der Bildungsweg ist sehr entscheidend, wenn es darum geht, wieviel später verdient wird. Dieser Bildungsweg ist abhängig von mehreren Faktoren: natürlich als erstes von der Intelligenz des Menschen selbst, dann aber folgt leider schon das finanzielle Budget der Eltern und das gepaart mit guten geschäftlichen Beziehungen, ergibt den nächsten Manager.
Eltern, die nicht so viel Geld besitzen (und meist selbst keine bessere Ausbildung genossen haben), können nur hoffen, dass das eigene Kind eine gehörige Portion Motivation und Ehrgeiz besitzt, sich von irdischen Genussmitteln in der Jugendzeit löst und schließlich mit viel Fleiß und Ausdauer den Karrieresprung schafft. Möglich ist es, aber der Weg ist erschwerlicher.
Weil die Bildung nun aber finaziell gesteuert wird und man als Staat sich nicht leisten kann "ungebildete" Menschen durch das System jahrelang zu tragen, kommt es zu Gestzesregelungen, die verhindern sollen, dass "Ungebildete" noch mehr "Ungebildete" hervorbringen. Was folgt:
Aktuelles Beispiel Elterngeld: dieses wird für Nichterwerbstätige gestoppt (vorraussichtlich 01.01.2011 hier zu lesen). Damit verhindert die Regierung - um es ganz klar und deutlich auf den Tisch zu legen - dass die "Unterschicht" sich weiter fortpflanzt. Für die, die Geld verdienen bleibt es dabei: Mutter und Vater teilen sich die Erziehungszeit auf und erhalten vom Staat ein Jahr lang finanzielle Unterstützung bei der Erziehung des Kindes zu Hause.
Abgesehen davon, dass man bei der Erziehung des Kindes und bei der Beschaffung von notwendigen Dingen als armer Mensch einfallsreich wird und auf die Hilfe Verwander und Bekannter angewiesen ist und damit sogar überleben kann - hier liegt eine klare Spaltung vor. Statt das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen, so dass weniger Menschen auf Hartz4 angewiesen sind, zwingt man diese nun, auf den Kinderwunsch zu verzichten. Bildung sollte übrigens unabhängig vom finanziellen Budget sein, also muss da mehr investiert werden. Der Unmut der "Unterschicht" gegenüber der "Mittelschicht" wächst, weil die ja mehr Privilegien bekommen. Der Unmut der "Mittelschicht" gegenüber der "Unterschicht" wächst, weil wegen denen, auch sie langsam beschnitten werden. Und wem geht das alles so richtig am A... vorbei: der "Oberschicht".
Während nun dieses Ungleichgewicht zwischen "Unter - und Mittelschicht" herrscht und der nötige Ausgleich verhindert wird, steht die "Oberschicht" außerhalb der Waage und kann seelenruhig darauf warten, bis die Instabilität, das Ganze zum Einstürzen bringt. Die politische Waage ist ein Instrument, in den Händen von jenen, die auch außerhalb der Konstruktion stehen. Jenen, die gerade das Ungleichgewicht verteilen und selbst wenn sie es unbewusst tun würden, dann aber absolut ihr eigenes Können überschätzt haben.
Wenn man das Ganze nämlich genauer betrachtet, dann kann keine Balance entstehen, da immer wieder Anteile von der Waage genommen und nach Außerhalb verfrachtet werden. Die politische Waage wird demzufolge falsch benutzt: links die "Unterschicht", rechts die "Mittelschicht": die "Mittelschicht" muss immer mit Anteilen aus der eigenen Waagschale (Steuern), die "Unterschicht" unterstützen, doch das Gewicht da drüben ist mittlerweile so schwer, so dass der "Mittelschicht" es nicht mehr möglich ist, den Ausgleich wieder herzustellen. Die "Mittelschicht" muss aber nicht nur der "Unterschicht" Anteile abgeben, sondern auch der "Oberschicht", denn diese profitieren ja von der Erwirtschaftung der "Mittelschicht". Statt nun die linke Seite mit den richtigen Mitteln vom Gewicht zu befreien (mehr Investition in die Bildung, mehr "Gebildete", mehr Arbeitende und somit eine höhere Wirtschaftlichkeit), wird nun das Gewicht reduziert, indem verhindert wird, dass mehr "Ungebildete" gezeugt werden. Eine Meisterleistung (das war ironisch gemeint)!
Damit die Waage eine Balance erreicht, müssten jene, die sie bestücken, gerecht verteilen. Nun kann man der "Mittelschicht" wahrlich nicht noch mehr entziehen und die "Unterschicht" kann durch den Wachstum nicht konseqent aufgebaut werden. Theoretisch müsste die "Oberschicht" eingreifen und die "Mittelschicht" entlasten. Sie könnten es - doch auch nicht all zu lang, vor allem nicht, wenn politische Fehlentscheidungen immer mehr Ungleichgewicht erzeugt. Es wird sich nichts daran ändern und weitere Gesetze dieser Art entstehen und so lange die Oberschicht dort nicht mit hineingezogen wird und die Politik einseitig belastet, so lange wird die politische Waage instabil bleiben und letztenendes zusammenbrechen. "Verletzt" werden nur die, die sich auf ihr befanden.
Ganz zum Schluss will ich noch einmal zusammenfassen:
1. Die politische Waage ist eine Fehlkonstruktion und bewegt sich nur einem Ergebnis zu: dem Einsturz.
2. Gesetze, die nur eine Seite belasten und außenstehende Mittel ignoriert fördern diesen Einsturz.
3. Eine Politik, die grundlegende Menschenrechte verletzt, hat versagt.
Gleichberechtigung: „Jeder Mensch hat Anspruch auf die hiermit garantierten Menschenrechte und Freiheiten, ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer und sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Eigentum, Geburt oder sonstigen Umständen.“ (Wikipedia)
Susann Nicklaus am 15.08.2010 21:38 (Antwort)
Hallo Robert,
auf keinen Fall kann der Staat Eigentum für Arme schaffen...das ist Quatsch und war auch nie so gemeint von mir. Versuch das "Bestücken" symbolisch zu sehen (ich rede ja von einer Waage) und konzentriere dich mehr auf die Gesetze, die das Ungleichgewicht (die falsche Verteilung) hervorbringen.
Eigentum hat zu einem geringen Teil mit Reichtum zu tun, aber nicht Reichtum im Sinne von Luxus. Wer ein Auto hat, ein Haus oder einmal im Jahr einen längeren Urlaub machen kann, hat in der heutigen Zeit schon mehr Reichtum als andere und da hast du Recht: das ist Konsum. Eigentum kann auch die Wolldecke eines Obdachlosen auf der Straße sein. Für Ihn ist das in gewisser Hinsicht (vor allem im Winter) Reichtum.
Der Gesetzestext soll zeigen, dass das grundlegende Menschenrecht der eigenen Freiheit verletzt wird, denn ein Gesetz, wie das vom Elterngeldwegfall für Hart 4- Empfänger verletzt definitiv deren Freiheit, weil diese nun durch den finanziellen Einschnitt ihre Kinderplanung überdenken müssen.
Damit wird deutlich, dass Menschen nach Ihrem Eigentum (Hartz 4) diskriminiert werden. Jemand der arbeitet und bei seinem Kinderwunsch damit rechnen kann, ein Jahr lang vom Staat unterstützt zu werden kann da etwas ruhiger ran gehen.
Das ganze politische System mit dem Hartz 4 und der Mittelschicht und der Oberschicht und den riesigen Lücken dazwischen ist absolut menschenunfreundlich und führt mit jedem weiteren Gesetz in diese Richtung zu immer mehr Einschnitten in die Menschenrechte.
Ich Denke, also bin ich! Mir geht viel im Kopf herum und, typisch Frau, fange ich an zu analysieren. Dabei entstehen ganz eigene Gedankengänge, meist sarkastisch angehaucht und mit etwas Ironie vervollständigt. Meine Welt ist anders als Deine, aber ab und zu trifft man sich auf einer Ebene und hier beginnt unsere Reise in "susannalyse" - vom Sinn und Unsinn im Leben.
lola0911-susannalyse@yahoo.com
Robert Brösemann am 15.08.2010 16:13 (Antwort)
Hallo!
Ich verstehe nicht warum du unter diesen Beitrag den Gesetzesauszug gesetzt hast und "nach Eigentum" Fett geschrieben hast?
Möchtest du damit ausdrücken, dass die Politik Eigentum für die Armen schaffen muss? Definierst du "Reichtum" über Eigentum? Wenn dies der Fall ist, bist du schon ein funktionierendes Werkzeug der Konsumgesellschaft!
Lieben Gruß!