Kann Integration überhaupt funktionieren?

Sonntag, 5. September 2010

Momentanes Hauptthema Nummer 1 in Deutschland: gescheiterte Integrationspolitik. Der Aufhänger ist das Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land aufs Spiel setzen". Darüber will ich gar nicht so viel schreiben, denn das haben genug vor mir getan und für mich sind seine Aussagen nur ein Mittel, um die Bevölkerung zu spalten. Viel wichtiger ist für mich bei dieser Debatte: Kann Integration überhaupt funktionieren?

In diesem Artikel von n-tv mit dem Titel: "Steriotypen sind in den Köpfen - es gibt keinen Integrations-Stempel" wird in einem Interview mit dem Integrationsbauftragten des Berliner Senates Günter Piening das Thema Integrationspolitik erörtert. Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, dachte ich über die einzelnen Punkte nach:

1. "... Einwanderer müssten die Chance erhalten, sich in Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft einzubringen. Haben sie diese Chancen nicht?"

Piening sagt definitiv: Nein. Und ich sage das auch. In der Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) kam das Thema "Anonymisierte Bewerbung" auf den Tisch und es wurde deutlich, was alle schon wussten: nicht nur Alte und Mütter haben schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, auch Menschen mit ausländischen Namen (egal, ob diese Menschen schon jahrelang in Deutschland leben oder hier sogar geboren wurden).

Für mich ist klar: in den Köpfen vieler Deutscher Arbeitgeber ist immer noch ein eingeschränktes diskriminierendes Denken vorhanden und Integration kann mit solch einem Denken nicht funktionieren. Viele meinen, dass die Vergangenheitsbewältigung (2. Weltkrieg) nicht funktioniert hat und für mich wird das, nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, leider immer deutlicher.

2. "...Integration ist dann gelungen, wenn wir nicht mehr darüber reden. Wenn Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Chancen haben, wenn man im Alltag ohne großes Aufsehen zusammenlebt, ob man nun Türke, Russe, Franzose oder Westfale ist, wenn Alltagskonflikte nicht mehr nur auf Herkunft zurückgeführt werden."

Wunschdenken? Ich wünschte mir, es wäre auch so einfach, aber ist es denn überhaupt möglich? Unabhängig davon, woher jemand kommt: sein Leben und seine Erlebnisse sind anders und prägend, entwickeln eigene Gedankengänge und Lebensvorstellungen, rufen unterschiedliche Träume und Wünsche hervor. Alltagskonflikte sind vorprogrammiert (passiert ja auch bei "Gleichstämmigen"), der Fehler liegt darin: immer einen Grund dafür zu finden und dabei die eigene Individualität auszuschließen. In dem Fall ist es dann immer der Grund der Herkunft. Bei Kriminellen ist es der familiere Hintergrund. Bei Psychopathen ein heftiges Erlebnis. Bei Homosexuellen eine schlechte Erfahrung... in Gründen finden sind wir Meister und im Pauschalisieren auch. In der Natur liegt doch, das wir eben nicht gleich denken und handeln, weil es eben nie die gleichen Umstände des Aufwachsens sind, die gleichen Gene oder die gleichen Intelligenzgrade. Es ist schwierig solch ein "wir sind Eins und wir müssen gleich denken, handeln und fühlen" hinzubekommen, vor allem wenn dieser "Einheitsgedanke" dazu führt, das die Einen sich unterordnen und die Anderen bestimmen dürfen. Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass ohne den deutsch Pass man nicht wählen darf. Das ist ja in jedem Land so, wenn man nicht deren Nationalität hat. Folge aber, der Einwanderer ist abhängig von den Entscheiden des Staates in dem er lebt, ohne mitbestimmen zu können - er muss sich anpassen und unterordnen. Daraus wiederrum folgt, dass Integration nicht funktionieren kann.

3. "... Es integrieren sich einzelne, nicht Kulturen."

Recht hat er. Es gibt natürlich auch Einwanderer, die sich nicht integrieren wollen, genauso wie es halt Deutsche gibt, die keinen Bock auf Schule oder Arbeit haben. Da sind wir wieder beim Einzelnen, nicht bei einer Einheit, Gruppierung oder Gemeinschaft. Was bedeutet das: Integration vom Einzelnen ist machbar, Integration von einer Gruppe nicht mehr, weil ein Teil es möchte und der andere Teil nicht. Integration kann nur mit einem individuelles Modell funktionieren und diese Arbeit möchte sich keiner machen.

4. "...gleiche Chancen für alle. Das ist die Aufgabe."

Mein Reden - und das vieler Anderer auch. Aber warum funktioniert das nicht? Weil es noch nie gleiche Chancen für alle gab. Weil die Vorraussetzung dafür ein nicht egoistisches Denken ist, wo man nicht nur auf seinem Profit und seine Harmonie bedacht ist, sondern auch mal Schwierigkeiten in Kauf nimmt. Wer hat schon Lust etwas in Angriff zu nehmen, was nichts für einen selbst bringt und dazu noch viel Zeit und Arbeit bedeutet. Du? Ich?

Arbeitgeber wollen sich nicht die Mühe machen, jemanden Anderssprachigen in den Ablauf der Firma einzuarbeiten - weil Kommunikationsprobleme zu Fehlern führen kann. Auch auf diverse behördliche Schwierigkeiten bei der Lohnabrechnung hat kaum einer Lust - weil das viel Zeit und Umstände bedeutet.

Neben dem Egoismus kommt der Faktor Neid: er hat mehr als ich, ich will das auch. Gleiche Chancen bedeutet Verzicht auf MEHR. Die, die mehr haben, müssten abgegen und die, die weniger haben, müssen aufhören immer mehr haben zu wollen.

Fazit:

Die Integration kann nicht funktionieren. Sie scheitert am Menschen selbst. Sowohl an dem, der integrieren will, als auch an dem, der integriert werden soll.

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Ich Denke, also bin ich! Mir geht viel im Kopf herum und, typisch Frau, fange ich an zu analysieren. Dabei entstehen ganz eigene Gedankengänge, meist sarkastisch angehaucht und mit etwas Ironie vervollständigt. Meine Welt ist anders als Deine, aber ab und zu trifft man sich auf einer Ebene und hier beginnt unsere Reise in "susannalyse" - vom Sinn und Unsinn im Leben.

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